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Tobias Spichtig bringt gespenstische Nachtvisionen in die zeitgenössische Galerie Contemporary Fine Arts.

Die Kunstszene Berlins hat jetzt einen neuen Grund, aufmerksam zu werden. Der Schweizer Künstler Tobias Spichtig, bekannt für seine geisterhaften Skulpturen und verzerrten, emotional aufgeladenen Gemälde, präsentiert seine neueste Einzelausstellung Taxi zur Kunst bei Contemporary Fine Arts.

Mit Anleihen aus Kultfilmen wie Taxi Driver und Blood for Dracula verwebt die Ausstellung flüchtige Momente des urbanen Nachtlebens, durchzogen von Abwesenheit, Melancholie und feiner Spannung.

Taxis, Stil und Aufrichtigkeit

Der Titel der Show ist mehr als nur ein cleveres Wortspiel mit dem deutschen Kunstmagazin Texte zur Kunst – er spiegelt auch Spichtigs Faszination für den schwindenden symbolischen Wert der Taxis in Berlin wider. Er sieht in ihnen Ikonen einer Zeit, in der die Stadt freier wirkte und die Nächte endlos schienen.

Spichtigs charakteristischer Stil – Figuren mit gedehnten Proportionen und hohen Wangenknochen – entwickelte sich ganz natürlich, geprägt von seinem persönlichen Schönheitsempfinden statt theoretischer Vorgaben. Obwohl seine Arbeiten oft als gothic bezeichnet werden, nennt er mehr Punk und Grunge als prägende Einflüsse. Seine Kunst setzt auf Aufrichtigkeit, selbst wenn sie ironisch oder fremd wirkt.

Geister, Freunde und Gefühl

Die Geist-Skulpturen, zu seinen bekanntesten Werken zählend, entstanden an stillen Sonntagen in Berlin. Übrig gebliebene Jacken von Partys erhielten eine zweite Existenz, indem sie mit Epoxidharz in gespenstische Formen verwandelt wurden, die zugleich abwesend und lebendig wirken. Auch wenn diese Skulpturen bereits in Modekontexten auftraten – unter anderem in Kollaborationen mit Balenciaga –, meidet Spichtig die gängigen Formeln der Branche und konzentriert sich stattdessen auf die emotionale Präsenz jedes einzelnen Stücks.

Persönliche Verbindungen ziehen sich durch seine Gemälde, in denen oft Freunde oder Besucher seines Studios zu sehen sind. Andere Serien, wie seine Arbeiten mit reflektierenden Sonnenbrillen, experimentieren mit Wahrnehmung und Distanz. Für Spichtig ist der Schaffensakt ein Ausdruck von Instinkt und Gefühl – nicht das Spiel mit Konzepten oder Trends.

Taxi zur Kunst spiegelt diesen rohen, zielstrebigen Ansatz wider – gleichermaßen unheimlich und vertraut wie das nächtliche Berlin. Die Ausstellung ist bis zum Frühling in der Contemporary Fine Arts zu sehen.